Eine Feuchtigkeitscreme verbindet meist Feuchthaltemittel, die Wasser binden, Weichmacher, die die Hornschicht geschmeidig machen, und Okklusiva, die die Oberfläche abdecken. In vielen Studien senkten solche Cremes den Wasserverlust der Haut. [1] Doch Cremes unterscheiden sich stark, und manche Formeln verschlechtern die Barriere sogar. [2, 3] Dass eine bestimmte Creme allen anderen überlegen ist, zeigen die Vergleiche nicht. [4]
In diesem Artikel
- Was macht eine Feuchtigkeitscreme?
- Welche Inhaltsstoffe stecken in einer Feuchtigkeitscreme?
- Stärkt jede Feuchtigkeitscreme die Barriere?
- Creme, Lotion, Gel oder Salbe?
- Feuchtigkeitscreme fürs Gesicht: Wie wählst du aus?
- Wie trägst du eine Feuchtigkeitscreme richtig auf?
- Wann ist ärztlicher Rat sinnvoll?
- Häufige Fragen
- Quellen
Was macht eine Feuchtigkeitscreme?
Eine Feuchtigkeitscreme soll die Hornschicht, die äußerste Hautschicht, mit Wasser und Fett versorgen und den Wasserverlust bremsen. Viele Studien berichten, dass Feuchtigkeitscremes den transepidermalen Wasserverlust (TEWL) verbessern, also das Wasser, das durch die Haut nach außen verdunstet. Wie gut das gelingt, hängt von der Formel ab. [1, 2]
Die Hornschicht besteht aus Hornzellen, Lipiden, natürlichen Feuchthaltefaktoren und weiteren Bestandteilen, die gemeinsam Wasserverlust begrenzen und schädliche Einflüsse abhalten. [8] Trockenheit hängt oft mit einer gestörten Barriere zusammen, ist aber nicht dasselbe. [2] Den Aufbau erklärt der Ratgeber zur Hautbarriere.
Wichtig ist auch, was eine Feuchtigkeitscreme nicht ist: ein Mittel gegen Hautkrankheiten. Bei Neurodermitis gilt regelmäßiges Eincremen als erster Schritt, [1] ersetzt aber keine ärztliche Behandlung.
Welche Inhaltsstoffe stecken in einer Feuchtigkeitscreme?
Fast jede Feuchtigkeitscreme verbindet drei Gruppen von Bestandteilen; welche Mischung passt, hängt von deiner Haut ab. Diese Einteilung beschreibt ihre Arbeitsweise und ist kein Nachweis für ein bestimmtes Produkt. Ein deutsches Positionspapier zu trockener Haut empfiehlt, dass Pflege sowohl Feuchtigkeit spendende als auch rückfettende Bestandteile enthält. [1, 6]
| Gruppe | Aufgabe | Häufige Beispiele |
|---|---|---|
| Feuchthaltemittel | Ziehen Wasser in die Oberhaut | Glycerin, Urea, Hyaluronsäure, Panthenol |
| Weichmacher | Lagern sich in die Hornschicht ein | Pflanzenöle, Squalan, Ceramide |
| Okklusiva | Decken die Oberfläche ab | Vaseline, Wachse, Dimethicon |
In einer Analyse von 52 Feuchtigkeitscremes, die sich für Aknehaut empfahlen, enthielt mehr als die Hälfte Dimethicon, Glycerin oder beides. [5] Daneben stecken in vielen Cremes Zusätze wie Pflanzenextrakte; was etwa zu Centella belegt ist, erklärt der Centella-Ratgeber. Eigene Ratgeber gibt es auch zu Allantoin und Ectoin.
Feuchthaltemittel: Glycerin, Urea, Hyaluronsäure
Glycerin beschleunigte in zwei Versuchen die Erholung einer gezielt geschädigten Barriere, und die Feuchtigkeit der Hornschicht war dort am höchsten. Die Autoren halten Glycerin deshalb für mehr als ein reines Feuchthaltemittel. Teilnehmerzahl und Hautstelle nennt die Zusammenfassung nicht. [9]
Urea hat laut dem deutschen Positionspapier die mit Abstand besten Belege bei trockener Haut. [6] In Doppelblindstudien senkten ureahaltige Cremes den Wasserverlust bei Neurodermitis und Ichthyose, einer Verhornungsstörung. [2]
Auch Hyaluronsäure ist ein Feuchthaltemittel. In einer kleinen Studie an der Beinhaut älterer Menschen ergab eine Lotion mit niedermolekularer Hyaluronsäure nach vier Wochen höhere Feuchtigkeitswerte; beim Wasserverlust gab es keinen Unterschied. [10] Mehr dazu im Hyaluronsäure-Ratgeber und zu einem weiteren Feuchthaltemittel im Panthenol-Ratgeber.
Weichmacher und Öle
Weichmacher lagern sich in die Hornschicht ein und machen sie geschmeidiger. [1] Dazu zählen Pflanzenöle, Fettalkohole, Squalan oder Ceramide; mehr im Squalan-Ratgeber und im Ceramide-Ratgeber.
„Natürlich“ heißt dabei nicht automatisch gut verträglich. In einer kleinen Studie trugen 19 Erwachsene vier Wochen lang zweimal täglich sechs Tropfen Olivenöl auf den Unterarm auf: Die Integrität der Hornschicht nahm ab, und eine leichte Rötung trat auf. Sonnenblumenöl erhielt die Hornschicht dagegen und steigerte die Feuchtigkeit. [11] Getestet wurden allerdings nur zwei Öle an wenigen Personen.
Okklusiva: Vaseline und Dimethicon
Vaseline (Petrolatum) beschleunigte in einem älteren Versuch die Erholung einer mit Aceton geschädigten Barriere. Sie lagerte sich zwischen die Hornzellen ein, statt nur einen dichten Film zu bilden, und ließ die normale Reparatur zu. [12] Auch eine Übersicht beschreibt eine unmittelbar barriereunterstützende Wirkung auf entfetteter Haut. [2]
Eine neuere Übersicht räumt mit dem Irrtum auf, Vaseline verursache Akne, nennt dazu in der Zusammenfassung aber keine Zahlen. [13] Dimethicon steckt in vielen Cremes, [5] doch Studien zu seiner Wirksamkeit enthalten unsere Quellen nicht.
Stärkt jede Feuchtigkeitscreme die Barriere?
Nein. Cremes unterscheiden sich stark: Manche Formeln verbessern Aussehen und Barrierefunktion, andere können den Hautzustand verschlechtern. Emulgatoren etwa können die Barriere schwächen, und auch Hilfsstoffe, die nicht als Wirkstoff gelten, haben teils deutliche Effekte. Auf das Etikett allein ist daher wenig Verlass. [2]
Eine randomisierte Studie zeigt das deutlich: 78 Freiwillige mit normaler Haut trugen sieben Wochen lang eines von fünf Präparaten auf einen Unterarm auf. Vereinfachte Cremes aus wenigen Bestandteilen und ein lipidfreies Gel erhöhten den Wasserverlust und die Reaktion auf einen Reizstoff; eine gewöhnliche Creme mit 5 % Urea wirkte in die entgegengesetzte Richtung. [3] Getestet wurden Versuchsformeln am Unterarm, keine Gesichtscremes aus dem Handel.
Auch bei Neurodermitis gibt es keinen Sieger: Ein Cochrane-Review mit 77 randomisierten Studien fand keine verlässlichen Belege dafür, dass eine Feuchtigkeitscreme besser ist als eine andere. [4] Werbeversprechen wie „Barriere-Repair“ ersetzen also nicht den Blick auf die gesamte Inhaltsliste; wie du sie liest, zeigt der Ratgeber zur INCI-Liste.
Creme, Lotion, Gel oder Salbe?
Welche Textur passt, hängt vor allem von der Trockenheit ab. Ein deutsches Positionspapier empfiehlt: Je trockener die Haut, desto höher der Fettanteil, bevorzugt als Wasser-in-Öl-Formel. [6] Einen Wirksamkeitsunterschied zwischen den Formen fand die größte Vergleichsstudie dagegen nicht; entscheidend war dort eher, was sich angenehm anwenden lässt.
In dieser pragmatischen Studie wurden 550 Kinder mit Neurodermitis in 77 Hausarztpraxen zufällig einer Lotion, einer Creme, einem Gel oder einer Salbe zugeteilt. Über 16 Wochen unterschied sich die von den Eltern berichtete Schwere nicht (p = 0,77). Brennen trat mit Salbe seltener auf (9 %) als mit Lotion (20 %), Creme (17 %) oder Gel (19 %). [14]
Die Autoren raten, das Produkt zu wählen, das man tatsächlich wirksam verwenden kann. Ob das auch für Gesichtspflege bei Erwachsenen gilt, wurde nicht untersucht. [14]
| Form | Fettanteil | Praxishinweis |
|---|---|---|
| Gel | Sehr gering | Leicht, eher bei fettiger Haut |
| Lotion | Gering | Gut verteilbar, auch für große Flächen |
| Creme | Mittel | Alltagspflege fürs Gesicht |
| Salbe | Hoch | Für sehr trockene, rissige Stellen |
Feuchtigkeitscreme fürs Gesicht: Wie wählst du aus?
Für die Feuchtigkeitscreme fürs Gesicht empfiehlt keine Studie eine Sorte für alle. Die wichtigsten Grundsätze: Die Textur richtet sich nach der Trockenheit, bei empfindlicher Haut zählen wenige Bestandteile, und neue Produkte führst du einzeln ein. Kurze Antworten zu einzelnen Hauttypen stehen in den häufigen Fragen weiter unten.
Für „empfindliche Haut“ gibt es keine einheitliche Definition; in einer systematischen Übersicht waren eine gestörte Barriere und stärker reagierende Blutgefäße die häufigsten Befunde. [15] Eine Studie, die Gesichtscremes für empfindliche Haut direkt vergleicht, fehlt.
Bei unreiner Haut lohnt sich eine Feuchtigkeitscreme vor allem neben reizenden Aknebehandlungen. In einer Studie mit 30 gesunden Freiwilligen, die alle ein verschreibungspflichtiges Aknegel verwendeten, wurde die zusätzlich eingecremte Gesichtshälfte als verträglicher bewertet. [16] Unter einer verschreibungspflichtigen Aknebehandlung hielt eine ceramidhaltige Reinigungs- und Pflegeroutine den Wasserverlust niedriger. [17] Dass eine Feuchtigkeitscreme selbst Akne behandelt, zeigen diese Studien nicht; mehr im Ratgeber zu Pickeln und Akne.
Was bedeutet „nicht komedogen“?
Der Hinweis soll bedeuten, dass ein Produkt keine Mitesser fördert. Die Tests dazu beruhen auf Versuchen am Kaninchenohr und am Rücken unter Abdeckung. Das Kaninchenohr reagiert empfindlicher als menschliche Haut; schwach komedogene Stoffe gelten außer für akneanfällige Menschen als vermutlich unbedenklich. [18]
In einer Studie mit nur sechs Personen waren fertige Produkte mit angeblich komedogenen Inhaltsstoffen nicht zwangsläufig komedogen. [19] In einer Fall-Kontroll-Studie mit 910 Betroffenen und 910 Kontrollen ging mehr Kosmetik insgesamt mit weniger Akne einher; einzelne Produkte waren aber mit einem höheren Risiko verbunden. [20]
Einen Beleg, dass das Etikett „nicht komedogen“ im Gesicht Pickel verhindert, enthalten unsere Quellen nicht. Auch „auf Wasserbasis“ ist eine Werbeangabe ohne festgelegte Bedeutung.
Wie trägst du eine Feuchtigkeitscreme richtig auf?
Oft heißt es, die Creme müsse innerhalb von drei Minuten nach dem Waschen auf die Haut. Eine Studie mit 60 gesunden jungen Erwachsenen fand dafür keinen Beleg: Direkt oder 30 Minuten nach dem Waschen aufgetragen, verbesserte die Creme Feuchtigkeit und Wasserverlust gleichermaßen gegenüber unbehandelter Haut. [7]
Getestet wurde allerdings nur eine Creme an gesunder Haut, nicht an trockener oder ekzematöser. [7] Zur richtigen Menge fürs Gesicht gibt es keine Studie. In der Praxis bewährt sich Folgendes:
- Nach der Reinigung: Auf leicht feuchte oder trockene Haut, wie es dir angenehm ist.
- Nach Seren: Wässrige Produkte zuerst, die Creme danach.
- Menge: So viel, dass die Haut nach dem Einziehen nicht mehr spannt; bei Bedarf nachlegen.
- Eine Neuheit auf einmal: So kannst du Reaktionen zuordnen.
Reicht eine Feuchtigkeitscreme mit LSF?
Als alleiniger Sonnenschutz eher nicht. In einer Studie mit 84 Personen blieben mit einer Feuchtigkeitscreme mit LSF 16,6 % des Gesichts unbedeckt, mit Sonnencreme 11,1 %; an den Augenlidern waren es 20,9 gegenüber 14,0 %. Die Teilnehmenden bemerkten die Lücken nicht. [21]
Außerdem wird der Schutzfaktor mit 2 mg Produkt pro Quadratzentimeter geprüft; im Alltag tragen viele nur 0,39 bis 1,0 mg auf, und weniger Produkt bedeutet weniger Schutz. [22] Wie du Sonnenschutz richtig anwendest, erklärt der Sonnenschutz-Ratgeber.
Wann ist ärztlicher Rat sinnvoll?
Wenn Trockenheit trotz passender Pflege über Wochen bleibt oder die Haut stark juckt, nässt, reißt oder sich entzündet, kann eine Hauterkrankung dahinterstecken. Bei Neurodermitis senkten Feuchtigkeitscremes im Cochrane-Review zwar Schweregrad und Schübe, [4] doch Diagnose und Behandlung gehören in die Dermatologie.
Zu Schwangerschaft und Stillzeit enthalten unsere Quellen keine eigenen Daten zu Feuchtigkeitscremes. Besprich neue Produkte mit vollständiger Inhaltsliste ärztlich.
Häufige Fragen
Braucht fettige Haut eine Feuchtigkeitscreme?
Das hängt davon ab, wie sich deine Haut anfühlt. Studien, die Feuchtigkeitscremes speziell bei fettiger Haut vergleichen, gibt es nicht. Neben reizenden Aknebehandlungen verbesserte eine Feuchtigkeitslotion aber die Verträglichkeit. [16] In der Praxis sind Gele oder leichte Lotionen ein guter Start, wenn deine Haut nach dem Waschen spannt.
Welche Feuchtigkeitscreme passt bei trockener Haut?
Eine reichhaltigere, bevorzugt als Wasser-in-Öl-Formel. Für Schuppung nennt das deutsche Positionspapier etwa Urea, für Risse Urea oder Dexpanthenol als Beispiele; die besten Belege hat Urea. [6] An sehr rissigen Stellen kann in der Praxis eine Salbe angenehmer sein. Bleibt die Haut trotz guter Pflege rau oder rissig, lass sie ärztlich ansehen.
Und bei Mischhaut oder empfindlicher Haut?
Für Mischhaut gibt es keine Vergleichsstudien. In der Praxis bewährt sich eine leichte Creme, an trockenen Stellen bei Bedarf eine reichhaltigere. Bei empfindlicher Haut sind wenige Inhaltsstoffe, kein Duft und ein Test an einer kleinen Stelle praktische Ansätze. Ein Produkt, das brennt, musst du nicht weiter verwenden.
Wie oft solltest du dich eincremen?
Eine feste Zahl nennt keine Studie. In der großen Vergleichsstudie mit Kindern wurde zweimal täglich und nach Bedarf eingecremt. [14] Im Gesicht genügt vielen in der Praxis eine Anwendung am Abend und bei Bedarf morgens. Spannt die Haut tagsüber, darfst du nachcremen.
Quellen
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